Archiv: Messer in Hennen

von David Harrower

 

Das TheaterErlebnis gründete sich Anfang 1999.

Als erste Produktion brachten wir "Messer in Hennen", ein Stück des jungen schottischen Dramatikers David Harrower, im Frühjahr 1999 heraus.

Eine junge Frau, eine Landarbeiterin, ist verheiratet mit William, dem Pflüger. Der liebt Pferde und die duftende Erde seiner Äcker. Sie stellt Fragen. Fragen nach dem Sinn des Daseins, Fragen nach der Kraft, die die Bäume im Wind schwanken lässt, Fragen nach dem Bild in der Pfütze. So zweifelt sie das Althergebrachte, die Traditionen, die Gebräuche, ihre Ehe an.

Diese Suche führt sie zu dem Müller des Dorfes, Gilbert Horn. Der kann lesen und schreiben, hat Bücher und weiß viel mehr als die anderen Dorfbewohner. Im Dorf ist er als Hexer und Kindermörder verschrien. Sie lieben einander und töten gemeinsam William, den Pflüger.

Am Ende verlässt der Müller, Gilbert Horn, die junge Frau, das Dorf und geht in die Stadt, wo man Bücher und Federn zum Schreiben hat. "Messer in Hennen" ist die Geschichte archaischer Gefühle, von verzweifelter Suche nach Welterkenntnis und Aufklärung und von rohem dörflichem Leben.

 

 

MesserinHennen

 

 

Junge Frau, Landarbeiterin: Britta Firmer
William, Pflüger: Sascha Rotermund
Gilbert Horn, Müller: Niels Heuser
Regie: Tim von Kietzell
Regieassistenz: Harrie Müller-Rothgenger
Fotos: Tim von Kietzell

 

 

Separator

 

Presse

 

Die Rache der Landfrau: Schauspielstudenten stechen "Messer in Hennen"

Eine unglückliche Bauersfrau läßt sich mit dem Müller ein und ermordet ihren Mann. Das ist in einem Satz die schlichte Handlung von" Messer in Hennen". Doch das Dreipersonenstück hat es in sich. Nicht nur, daß der Bauer auf Pferde steht und die Frau mit einem Gaul betrügt. Das Erstlingswerk des Schotten David Harrower (uraufgeführt 1996) strotzt vor Poesie – fette Brocken guter Bauernerde mischen sich mit Erkenntnisdrang und Selbstreflexion. "Ich sitze am Feuer und schaue in die Pfütze meiner Tränen, ich bin die Frau mit dem gebrochenen Herzen", sagt die Bäuerin nach dem Gattenmord.

Drei Schauspielstudenten der Hochschule für Musik und Theater Hannover präsentierten das Drama jetzt in der Galerie Calenberg. Mit Erfolg. Die Inszenierung des jungen Regisseurs Tim von Kietzell ist dicht und voller Zauber. Hinter einem Ackerstreifen mit groben Erdklumpen öffnen sich die stilisierten Welten von Bauer und Müller. Vogelgezwitscher, Bachgeplätscher und Kunstmusik zwischen den Szenen geben der Aufführung einen traumhaft-gleitenden Rhythmus.
Ein schönes Bild der Verführung: Während der Bauer im Ehebett auf seine Frau wartet, schleicht sich mit nacktem Oberkörper der Müller an – steigt auf den Küchentisch und bläst der Bäuerin Mehl ins Gesicht. Erst graust es der Frau, dann sinkt sie hin. Britta Firmer vibriert als gequälte Landfrau förmlich vor Hochspannung. In schroffem Kontrast dazu der bodenständige Bühnengatte, gespielt von Sascha Rotermund. Genauso kraftvoll, wie der Bauer in Äpfel beißt, wehrt er die Fragen seiner Frau ab. Den Part des diabolischen Verführers übernimmt Niels Heuser – lauernd, höhnisch, cool.

Eine gestelzte Kunstsprache setzt die Figuren auf Distanz zu sich selbst und legt feierlichen Ernst über die Aufführung. Dabei hat das Stück durchaus komische Momente. So geht aus der Ehe der Bauersleute nicht etwa ein Kind hervor, sondern ein Fohlen, dem die Frau bei der Geburt behilflich ist. Leider kann sich das Groteske solcher Szenen nicht recht entfalten. Da fehlt es an Leichtigkeit, dem Mut zu Phasen der Entspannung. Doch mit der Intensität ihres Spiels trösten die Akteure über solche Schwächen hinweg.
HEINRICH THIES

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 06.04.1999

 

Pressearchiv: Messer in Hennen

 

 

"MESSER IN DEN MAGEN- ... besonders überzeugend waren an diesem Abend die aus Hannover stammenden Schauspieler ... sie erreichten, dass die Zuschauer gebannt wurden ..."

Westfälische Nachrichten am 07. Juni 1999



"WANDLUNGEN EINER JUNGEN FRAU: ... S. Rotermund als stupider Pflüger, B. Firmer als neugierige junge Landfrau und N. Heuser in der Rolle des geheimnisvollen Müllers haben in diesem gut inszenierten Stück eine ganz hervorragende schauspielerische Leistung vollbracht."

Iserlohner Nachrichten am 12. Mai 1999



"MÜHLRAD DER ERKENNTNIS: die drei Schauspielstudenten zeigen das Mahlwerk rudimentaerer Kopfarbeit, das sich den Weg durch eine symbolbeladene Natur bahnt, mit hervorragend gespielter `blöder´ Langsamkeit. Regie und Ausstattung (Tim von Kietzell) konzentrieren sich ohne rustikale Übertreibungen auf das Wesentliche. ... Viele Bravos für eine sehr gelungene Aufführung."

Kieler Nachrichten am 14. Juni 1999