Archiv: Der Mensch im Zoo

Ein Theaterprojekt im Zoo Hannover. Idee: Tim von Kietzell

 

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Vom 01. bis 18. Juni 2000 führten wir das Projekt "Der Mensch im Zoo" durch. Hierbei wurden Menschen im Zoo Hannover in ihrer natürlichen Umgebung, einer Wohnung im alten Flusspferdhaus, "ausgestellt". Es lebten in der Regel immer eine Frau und ein Mann dort. Sie hatten ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer, eine Küche und ein Swimmingpool mit Außenterrasse zur Verfügung. Alle Räume waren für die Zoobesucher und -besucherinnen gut einsehbar.

So konnten sie die "Menschen im Zoo" gut beobachten und mit ihnen Kontakt aufnehmen, sie sogar füttern.

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Zwischendurch lasen die Schauspielerinnen und Schauspieler Literatur. Ausgehängte Texte und Plakate zu der Frage "Was ist der Mensch?" ergänzten diese Zurschaustellung.

Im Menschenhaus wohnten von links:
Pit Jansen, Marie Luise Fleischer, Sybille Meyer,
Vera Siecker, Tom Meyer-Grünläufer, Marten von Lachen.

 

 

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Schauspielerinnen: Patricia Harlos, Ilona Nasemann
Schauspieler: Harrie Müller-Rothgenger, Jens Uwe Reumschüssel
Idee, Regie, Konzeption, Organisation: Tim von Kietzell

 

 

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Presse

 

Wo einst die Flusspferddame Zora und ihr inzwischen verstorbener Gatte Eberhard unermüdlich kleine Flusspferde zeugten, geht es von Donnerstag an nicht minder umtriebig zu: In der ehemaligen Flusspferdanlage im hannoverschen Zoo werden bis zum 18. Juni richtige Menschen leben.

Da die neuen Mieter natürlich andere Bedürfnisse als ihre Vorgänger haben, wurde die Wohnung ein wenig aufgemöbelt. Das Außen-Planschbecken der Nilpferde nennt sich jetzt Pool, und drinnen ist es auch deutlich gemütlicher geworden. Hier gibt es ein Wohnzimmer mit einer blauen Couchgarnitur, und im benachbarten Schlafzimmer sind die Nachtschränkchen farblich auf Betten und Lampen abgestimmt. Kurzum: In der alten Anlage sieht es neuerdings richtig heimelig aus.

Das allein ist für Städter natürlich noch kein Grund, in den Zoo zu ziehen. Und so hat auch dieses Projekt der Gruppe "TheaterErlebnis", in der sich Schauspieler, Künstler und Regisseure
zusammengeschlossen haben, einen Hintergrund. Die Menschen in dem Nilpferdhaus, das sich nunmehr "Menschenhaus" nennt, wollen und dürfen von den Zoo-Besuchern beobachtet werden.

"Wir leben hier einen nachempfundenen Alltag", sagt Projektleiter Tim von Kietzell. Spätestens seit der Fernseh-Serie "Big Brother" ist diese Idee freilich nicht ganz neu. Doch von Kietzell verweist erstens darauf, dass er über das Projekt schon lange vor "Big Brother" nachdachte, und zweitens habe seine Truppe auch einen anderen Anspruch. "Wir wollen die Besucher anregen, nicht nur auf die Tiere, sondern auch auf die Menschen zu gucken und mögliche Vergleiche zu ziehen."

Wem das allein ein wenig zu langweilig scheint, hat während der Showzeiten im Menschenhaus Gelegenheit, Texte österreichischer Literaten wie Erich Fried, Elfriede Jelinek oder Georg Kreisler zu hören. Diese so genannten literarischen Interventionen sind Teil des Gesamtprojektes
"Lebenskunst – Kunstleben" des österreichischen Expo-Pavillons und sollen "Lust auf Literatur, Sprache und Wörter" machen. Denn die – so viel steht fest – haben die Menschen den Tieren im Idealfall wenigstens voraus. Der selige Eberhard soll seiner Zora jedenfalls nie ein Gedicht von Erich Fried vorgelesen haben. Aber vielleicht hat's ja auch nur keiner bemerkt. shi

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 31.05.2000

Pressearchiv: Der Mensch im Zoo

 

 

"....rundweg begeistert von den homo sapiens sind die Zoobesucher: ich bin heute schon zum zweiten Mal hier, schwärmt eine Besucherin."

Hannoversches Wochenblatt am 14. Juni 2000