Archiv: Auch die Rosen wissen von nichts

Das Schauspiel "Dreck" von Robert Schneider ergänzt mit Texten von Dichtern deutscher Romantik
Ein Theaterabend über Fremdheit, Heimat und die Liebe
 

Inszenierung: Tim von Kietzell
Premiere: 2012

 

 

Die Zuschauer sitzen im Foyer an Tischen und können während der Veranstaltung gerne eine Rosenbowle oder andere Getränke und kleine Speisen zu sich nehmen.

 

In dem Theaterstück DRECK von Robert Schneider erzählt der Rosenverkäufer Sad von sich und dem Land, aus dem er kommt. Er verkauft Rosen an die Herren, die ihren Damen bei einem Glas Rosenbowle mit diesen Blumen ihre Zuneigung, Liebe und Verehrung demonstrieren möchten. Voller Poesie, doch mit einer unerbittlichen Wahrheit, beschreibt Sad sein Leben hier bei uns und seine Erfahrungen mit Fremdheit und Verachtung.

 

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Sad: Deutsch ist eine schöne und gute Sprache. Leica. Das war mein erstes deutsches Wort. Damals hat es angefangen. Mit der Sehnsucht. Ich rede gerne Deutsch. Deutsch tut gut. Es beruhigt mich. Diese schönen Worte. Ich schätze diese Worte. Worte wie: Konzession. Übergangsrecht. Hartschaummatratze. Kehrblech. Leider kommt man viel zu selten miteinander ins Gespräch.


Tim von Kietzells Inszenierung vermischt Schneiders Monolog mit Texten und Gedichten aus der deutschen Literatur von Heine, Goethe, Storm, von Hoffmannsthal, Brentano, Herder, Eichendorff u.a. Dadurch entsteht eine Spannung, wie sie in der Musik nur der Kontrapunkt herstellen kann. Er erfindet die Gegenstimme zur gegebenen Tonfolge, die mal harmonisch sinnvoll zusammenklingt ein anderes mal aber eine sinnvolle, assoziative Eigenständigkeit aufweist.


Diese Produktion entstand 2012 unter dem Namen des Theater in der List.

 


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Presse

Hannoversche Allgemeine Zeitung
23.4.2012 von Moritz Grote: Von Blumen und Dreck


HANNOVER. Ein dunkelhäutiger Rosenverkäufer steht im Foyer des Theaters in der List, das zu einem Restaurant umfunktioniert ist. Das Publikum sitzt an Tischen und lauscht zunächst Texten und musikalischen Beiträgen eines anonymen Vortragenden. Dann tritt der Rosenverkaüfer aus dem Hintergrund und erzählt seine Lebensgeschichte: Sad ist ein illegaler Einwanderer. Aus diesem Monolog über das Leben und die Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik besteht das Schauspiel "Dreck" von Robert Schneider.
Tim von Kietzell stellt in seiner Inszenierung "Auch die Rosen wissen von nichts..." dem Hauptdarsteller Sad (Modou Diedhiou) noch einen Partner (Bohdan Swiderski) an die Seite. Dieser kontrastiert die teils wütenden Ausführungen Sads ("Bei den Schwarzen stinkt der Urin mehr als bei den Weißen") mit deutschen Texten und Liedgut aus der Romantik ("Der Mond ist aufgegangen").
Das Besondere: Weil Sad inmitten des Publikums agiert, hinterlassen die Erfahrungen des Ausgestoßenen eine Intensität, die die Frage aufkommen lässt: Warum gucke ich weg?

 

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(Fotos: Achim Giesel)

 

 

Neue Presse
23.4.2012 von Harald Holstein

 

Erkenntnisse des Rosenverkäufers

HANNOVER. Kerzenschein. Weiß gedeckte Tische. Den diskreten Supermarktcharme des Foyers im Theater in der List hat Regisseur Tim von Kietzell für seine Inszenierung "Auch die Rosen wissen von nichts..." in kuschelige Restaurantatmosphäre verwandelt. Hier können die Zuschauer den Reden des Rosenverkäufers Sad lauschen, der über sein Leben als illegaler Einwanderer in Deutschland berichtet. Und er berichtet mit sympathischer Selbsterkenntnis und Ironie über sein Land, über Mentalitäten und Lebensweise, erzählt von seiner Liebe zur deutschen Landschaft und zur deutschen Sprache. Indem er viele Vorurteile und Klischees selbst ausspricht, beschämt er, macht nachdenklich und ratlos. Eigene Erfahrungen des Rosenverkäufer-Darstellers Moudou Diedhiou flossen ein. Er ist in Linden aufgewachsen und hat senegalesische Wurzeln. Sehr beeindruckend und intensiv zeigt er die Zweifel und Verzweiflungen, die auf dem Weg zur kulturellen Identität liegen. Starke Leistung, für die gibts langanhaltenden Applaus.

5 von 5 Sternen (Höchstwertung )

 

Rosen Neue Presse